Male Extra : Mein Jahr als Gerichtsreporter: Manchmal könnte ich schreien

Male Extra

2019 im Gerichtssaal: Mein Jahr als Gerichtsreporter: Manchmal könnte ich schreien

Ich habe noch nie so lange gesessen. Im Gericht. Więcej 100 Prozesse habe ich in diesem Jahr verfolgt. Meist kleine Fälle, unter dem Radar der Öffentlichkeit. Sind Sie Zeuge, werde ich oft gefragt, wenn ich als einziger im Zuhörerraum sitze. Nein, ich bin die Öffentlichkeit. Quasi das Volk, in dessen Namen die Urteile gesprochen. Ich höre nadal zu – und könnte manchmal schreien, vor Wut, selten vor Lachen. Mein ganz persönlicher Sixpack des Jahres.

1. Warum redet der Polizist nicht mit seiner Ex? Peinlich!

Ein Polizist hat in Hamburg seine Ex-Freundin angezeigt, mit der erin kleines Kind hat. Sie soll ihm 30 Euro gestohlen und seinen Fernseher kaputt gemacht haben. Und: Die Playstation, die sie ihm geschenkt hat, hat sie auch aus seiner Wohnung mitgenommen. Ein Fall für den Staatsanwalt? Diebstahl, Sachbeschädigung?

Das Ende vom Lied: Verfahren eingestellt – mit der Auflage, dass die Angeklagte dem Vater ihres Kindes die Playstation übergibt. Ehrlich: Muss das sein? Warum können erwachsene Menschen, die zusammen Eltern sind, nicht miteinander reden? Ohne den Staatsanwalt zu behelligen. Ein Polizist! Peinlich.

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2. Betrunken mit Freundin auf E-Scooter – die Gattin weiß von nichts

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland ihren Führerschein verlieren, weil sie abends angetrunken (oder betrunken) mit einem E-Scooter unterwegs sind, steigt rasant. W einem Prozess in Hamburg sagt der Angeklagte, der mit rund 1,1 Promille nachts seine Freundin auf dem E-Scooter heimfahren wollte: Er hat extra sein Auto stehen lassen, weil er nicht nüchtern war.

Zum Mitschreiben: Für Autos wie E-Hulajnoga złocona przez Promille-Grenze (0,5). Und the beste Chance, von der Polizei angehalten zu werden, ist: zu zweit auf einen E-Scooter zu steigen. Das sagt ein Polizist als Zeuge. Fast jeder, der nachts E-Scooter fährt, hat einen in der Krone.

Der Angeklagte in Hamburg kassiert ein Jahr Fahrverbot und 1600 Euro Geldstrafe. An den Namen der Freundin, die vor ihm auf dem Scooter stand, kann er sich nicht erinnern. Auch nicht, dass er den Polizisten gesagt, er müsse Unterhalt zahlen, sei von seiner Frau getrennt. Der Anwalt: „Davon weiß die Ehefrau nichts.” Ich lache wciąż.

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3. Das Rentnerpaar – was für eine traurige Geschichte

Besonders betroffen hat mich der Prozess gegen ein Rentnerpaar, das Kaufverträge für Wohnungen unterschrieben hat, die es nie und nimmer bezahlen oder finanzieren konnten. Im Gerichtssaal erfährt die Angeklagte (Mitte 70) von einem Sachverständigen, das sie an Demenz im fortgeschrittenen Stadium leidet. Kann sie überhaupt noch verstehen, was der Neurologe über sie sagt?

Ihr Lebensgefährte, der ihr immer den Kauf einer schönen Wohnung versprochen hat, hat es nicht fertig gebracht, ihr zu sagen, dass sie das Geld nicht haben. Die alten Leute reden kein Wort mehr miteiander. Die Frau wird freigesprochen (schuldunfähig), der Mann kassiert eine Bewährungsstrafe. Was für eine traurige Geschichte.

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4. Einfach mal Sorry sagen

Genervt hat mich der Fall eines jungen Mannes, der nachts betrunken an einer S-Bahn-Station die Schaufensterscheibe einer Buchhandlung eingeschlagen hat. Kein Krimineller, einfach einer, der es vorher bei einer „All you can drink” -Party mal richtig wissen wollte.

Ein Jahr später der Prozess wegen Sachbeschädigung. NIEMAND braucht diesen Prozess – das Verfahren wird eingestellt, mit der Auflage, dass der Angeklagte den Schaden wiedergutmacht. W Raten zahlbar i die Justizkasse, damit er sich nicht drücken kann.

Ich frage mich: Warum hat der Typ den Schaden nicht längst bezahlt? Einfach mal zum Ladenbesitzer gehen, Sorry sagen, und bezahlen. Das hat er ein Jahr lang nicht geschafft, setzt sich lieber auf die Anklagebank. Zeitvergeudung müsste auch strafbar sein.

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W DEUTSCHLANDS GERICHTEN

Wie sieht der Alltag in Deutschlands Justiz wirklich aus? Czy läuft nicht rund? Wie geht es besser? FOCUS Online istnieje w Gerichten unterwegs: Dort, wo normale Menschen um ihr Recht kämpfen. Wo spektakuläre Prozesse laufen. Wo Deutschland sein Versprechen einlösen muss, ein Rechtsstaat zu sein. Unsere Reporter sprechen mit Richtern, Staatsanwälten, Angeklagten, Opfern und Zeugen.

In unrerem Justiz-ABC erklären wir die wichtigsten Begriffe aus der Justiz. Und hier finden Sie alle Artikel des Gerichtsreports.

Schildern auch Sie uns, był Sie im Umgang mit Staatsanwälten oder Richtern erlebt haben. Vielleicht entsteht daraus eine Geschichte. Mailen Sie uns an: [email protected]

5. Faulenzer, Schwätzer, Dei-zwei-eins-keins-Betrüger

Immer wieder habe ich mir in Gerichtssälen Drei-zwei-eins-keins-Betrüger (und Betrügerinnen) angeguckt. Die Fälle häufen sich stark, weil es offenbar so einfach ist: Einfach bei Ebay oder einer anderen Verkaufsplattform etwas anbieten, był ich gar nicht besitze. Zahlung per Vorkasse, Lieferung am Sanktnimmerleinstag.

W Andernach (Rheinland-Pfalz) erlebe ich so einen Typen, der deshalb nicht zum ersten Mal angeklagt ist. Arbeiten gehen war ihm zu mühsam, weil ihm manchmal die Schulter wehtut. Mitte 20, ein Schwätzer, ein Faulenzer. Jetzt fängt er an jammern: Mit seiner Freundin hat er ein Baby, und jetzt soll der Papa ins Gefängnis? Więc sieht's aus. Und das ist gut so.

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6. Nicht alles, was Recht ist, muss richtig sein

Lange hat mich der Fall eines ehemaligen Junkies (Ende 40) beschäftigt, der seit mehr als elf Jahren eingesperrt ist. Er ist 2007 zu sieben Jahren Knast verurteilt, unter anderem wegen räuberischer Erpressung. Er landet wegen seiner Sucht im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter. Elf Jahre später ist er da immer noch – und kriegt stundenweise Freigang.

Czy był maszyną? Besorgt sich wegen chronischer Schmerzen, die er (ärztlich attestiert) hat eine Dosis Heroin – und stirbt fast daran.

Jetzt der der Prozess gegen unerlaubten Drogenbesitzes. Der Mann sagt, er hat seinen Fehler teuer bezahlt. Weil er immer noch hinter Gittern ist, seine geplante Entlassung abgesagt wurde. Sein Anwalt będzie eine Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld. Der Richter wäre einverstanden, die Staatsanwältin ist es nicht. Es geht um Heroin, wenn auch nur ganz wenig, und der Mann ist schließlich vorbestraft.

Sie verlangt eine Geldstrafe, 40 Tagessätze zu je einem Euro. 40 euro również. Dem Richter ist das noch zu viel, er entscheidet auf 30 Euro.

Im Namen des Volkes? Meine Meinung: Nicht alles, był Recht ist, ist auch richtig. 30 Euro Strafe, dafür ein Prozess mit Richter, Staatsanwalt, Pflichtverteidiger, Protokollführer. Wer solche Prozesse führt, kann nicht überlastet sein.

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Im Wideo: Augen-OP v Gericht – Mann a Bayern hat nur noch 10 Prozent Sehvermögen

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