Male Extra : Schmeling schlägt seinen Sargdeckel durch

Male Extra

Rainhard Fendrich hat in seinem Lied „Es lebe der Sport“ die bedrückende Nacht von Samstag auf gestern exakt vorausgesehen. Einfühlsam besingt der Wiener darin meine traurige Einsamkeit, und zwar tak:

„Mutterseeln allanich sitzt er da bis in die Frua und schaut beim Boxen zua.”

Bis in alle Herrgottsfrüh bin ich dagehockt. Viele werden jetzt sagen, dass kein gut durchbluteter Mensch sich freichillig die Nacht um die Ohren schlägt, nur weil ein 24-jähriger Karlsruher in der Bridgestone Arena w Nashville, Tennessee, Niemcy to dzielnica lokalna Helden um die WM im Supermittelgewicht.

Aber es gibt dafür drei gute Gründe: die Nostalgie, die Wehmut und die unsterbliche Macht der Gewohnheit. Wussten Sie, dass am 30. Oktober 1974 der telefonische Weckdienst der Bundespost so gut wie zusammenbrach? Halb Deutschland wollte damals nachts um drei geweckt werden – pünktlich zum „Rumble in the Jungle“ w Kinszasie, wo George Foreman gegen Ali dann schwer k. o. Ging

Aber reden wir nicht von Muhammad Ali, wir Deutschen haben unseren eigenen Größten, um den der Hauch der Geschichte weht. Das weiß auch Vincent Feigenbutz, jener 24-Jährige, aber vor allem wissen es die Einpeitscher des Geschäfts, und Sport1 hat, ehe es jetzt den Kampf übertrug, mit der Bekanntmachung elektrisiert: „Eine historische Chance für Fe wägenbutz: patrz Max Schmeling, der sich in den USA zum Weltmeister krönt. ”

Die Alten und Toten unter uns erinnern sich: Am 12. Juni 1930 gewann Schmeling in New York gegen Jack Sharkey die WM im Schwergewicht. Seither haben wir diese unstillbare Sehnsucht nach einem strammen Max. „Feigenbutz könnte in Schmelings Fußstapfen treten“, hat Sport1 getrommelt und der Kommentator sein Grußwort mit dem halben Versprechen gewürzt: „Wir werden heute vielleicht Geschichte erleben. Sexy Clips, mit denen Sport1 nachts Geld verdient, wenn barbusige Girls wehrlose Sportsfreunde zum Anrufen zwingen.

Das Boxen kann Feigenbutz jedenfalls nicht gemeint haben. Caleb Plant, der lokale Held, hat ihn vorgeführt, dass es wehtat. Der US-Boy gewann alle Runden, und als in der zehnten ein Blutbad drohte, brach der Ringrichter ab. Boxveteranen dachten spontan an den alten Mistrz Dariusz „Tiger” Michalczewski, der einst lästerte: „Heute boxen Leute um WM-Titel, die früher nicht mal als Sparringspartner geholt worden wären.”

Tak dziwnie, Max Schmeling jest wieder hell empört. Fuchsteufelswild hat er sich im Grab umgedreht und mit seiner rechten Geraden, die einst Joe Louis fällte, den Sargdeckel durchgeschlagen. Er will den Marktschreiern, die seinen Namen besudeln, den Prozess machen, sie verklagen wegen Majestätsbeleidigung, mindestens aber wegen Störung der Totenruhe. Laut Paragraf 168 des Strafgesetzbuches stehen darauf bis zu drei Jahre.

Schmeling ist der ewige Leidtragende der größten deutschen Schwäche: Wir lieben das Früher. Wehmütig sangen wir zur Melodie des Fehrbelliner Reitermarschs („Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben“), zurzeit weinen viele dem Altkanzler Adenauer hinterher – aber vor allem wollen wir seit 90 Jahren unseren Maxe wiederhaben

Die ersten 80 Jahre suchten wir den neuen Schmeling noch im Schwergewicht. Karl Mildenberger wojna unsere Hoffnung, ein Bademeister aus der Pfalz. „Karl der Große“ hielt sich wacker, sogar gegen Ali, endete aber als „Karl der Flache“. Auch Jürgen Blin, Hamburger Gastronom, versuchte sich am Größten, „aber Ali hätte sich”, verriet er später, „selbst k. o. schlagen müssen “. Vorübergehend galt der hessische Gastwirt Willi „de Ox” Fischer als neuer Schmeling, aber er zapfte lieber wieder Ęppelwoi, statt sich noch mal für einen schmerzhaften Zweirunder gegen den WBO-Titelträger Herbie Hide herzugeben.

„Mach uns den Max!”, Gellte es dann durchs Land, wenn Axel Schulz irgendwo auftauchte. Der Muskulöse Blonde trotzte dem von Altersschwäche gezeichneten Foreman, ten glatt behauptete, Schulz werde eines Tages „größer sein als Joe Louis oder Max Schmeling“. Der eingerostete Axel kam zu einem Comeback sogar noch einmal aus der Rente und hätte danach um ein Haar für den Rest seines Leben flüssig ernährt werden müssen.

Als auch aus Luan Krasniqi kein Schmeling wurde, haben wir die Klitschko-Brüder eingedeutscht. Michael Buffer, der Gott unter den Ringsprechern, kündigte Vitali und Wladimir immer an als „z Kiew, Ukraina i Hamburg, Niemcy”. Millionenfach jubelten wir Deutschen, wenn unsere Beute-Schmelinge den Rest der Welt verdroschen, und am Ring saßen unsere Kinoköniginnen, von Veronica Ferres bis Uschi Glas – manche gingen vorher extra zum Frisör und ließen sich liften. Unsere deutsche Seele schlug vollends Purzelbäume, als Vitali auf die Frage, warum sein Sohn Max heißt, antwortete: „Weil Max Schmeling mein Freund war.”

Fast hätten wir jetzt Manuel Charr vergessen. Der kam eigentlich aus Beirut, aber 2017 holte er sich die WM-Krone der WBA, und dank einer kurzen Namensumgestaltung hieß plötzlich eine „Spiegel“ -Überschrift: „Mahmoud Schmeling”. Hatte Charr wirklich einen deutschen Pass? „Ich schwöre es“, verriet er „Bild”. Als sich der Pass nirgends fand, is non auch der letzte der schweren Jungs, die non den Traum vom neuen Schmeling hätte erfüllen können, von der Fahne gegangen.

Seither suchen wir nun unter den Leichtmatrosen, in der Not sogar unter den Supermittelgewichtlern, und plötzlich soll es Feigenbutz sein. Einen WM-Titel haben die Punktrichter ihm einmal so gut wie geschenkt, im Rückkampf war er dann chancenlos, und seither riss er das Publikum auch nicht vom Pausenhocker. W Nashville wurde er nun verprügelt. Nur in der sechsten Runde hat er kurz angegriffen, aber Caleb Plant hat ihm als Antwort eine ehrenrührige Beleidigung zugeworfen. Traurig meinte Feigenbutz: „Mir haben immer zehn Zentimeter gefehlt.“ Oder eher 15? Eine Erlösung war es, als der Ringrichter den Spuk beendete und Sport1 zu dem bitteren Satz zwang: „Damit bleibt Schmeling der bislang einzige deutsche Boxer, der in den USA Weltmeister werden konnte.”

Um das deutsche Boxen steht es schlecht. Für das letzte Aufbäumen sorgte Regina Halmich, als sie im „Kampf der Geschlechter” dem Komiker Stefan Raab mit einem linken Fangschuss das Nasenbein spaltete. Nennenswertes Aufsehen erregen sonst höchstens noch ehemalige Weltmeister wie Sven Ottke, wenn er sich durchs Dschungelcamp schlägt, oder Felix Sturm, der der Steuerhinterziehung verdächtig warse, neulich unter anteenen an der wenden an der wenden an der wenden an der wenden an der wenden an der wend an der wenden an der wen anteen an der wen anteen an der wenden anteen an der wend an der wen anteen an der wen anteen an der wen anteenen an der wen anteenen an der wen anteenen an der wen aufen ante wüngeen an der wenden anteenen an der wen anteenen an der wen anteenen an der wen anteenen an der wen anteenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenenen.

Als Gegner stünde ein weiterer Ex-Champion zur Verfügung, der 39-jährige Arthur Abraham. Ein guter Zahltag winkt da noch mal, jedenfalls sagt Abraham: „Wenn ich noch mal boxe, dann nur gegen Sturm.“ Sie sollten es in Amerika machen, nachts um drei. Jestem best Yankee Stadion w Nowym Jorku, w tym Schmeling anno ’30 Sharkey besiegte. Der Sieger wäre dann auf jeden Fall Deutscher, und wir hätten endlich den neuen Schmeling.

Aber danach muss Ruhe einkehren.

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